Orangen-Bittertropfen selber machen

 

Magst du bitter? Nö? 
Keine Angst, damit bist du nicht allein. Die meisten mögen das nicht so gern. Und doch: Bitterstoffe sind für uns wichtig,

wir haben sie nur "verlernt"!

 

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Verlernt? Ja -genau! Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als ein Kopfsalat kräftige Bitterstoffe hatte, vor allem der Strunk, ebenso wie eine

grüne Paprika oder ein Rosenkohl... jetzt schmeckt Kopfsalat nur noch nach Wasser und gar nichts. Warum? Weil eben die meisten aus der 

Bevölkerung kein Bitter mögen, Kinder sowieso nicht. Also hat man das Ganze herausgezüchtet. Wir sind eine Zucker- und Süß-Gesellschaft - 

ich schließe mich da nicht aus. 

Bitterstoffe gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen und wir sind nicht wirklich auf sie angewiesen. Anders als bei Vitaminen oder bestimmten

Mineralien kann ein Mangel an Bitterstoffaufnahme nicht zu einem Mangel im Körper führen. Also müsst ihr nicht grundsätzlich Bitterstoffe

einnehmen, auch wenn die Werbung es immer wieder suggeriert. Denn trotzdem kommen sie natürlich vor z. B. in Grapefruits, Chicoree, Artischocken

oder Rucola (mein Lieblingssalat), in Kaffee oder Kakao, aber auch in einigen Lebensmitteln, bei denen man das gar nicht denkt. Oder denkst du bei

Erbsen, roten Zwiebeln oder Kirschen und Pflaumen unbedingt an Bitterstoffe? Ich auch nicht! Also nehmen wir Bitterstoffe auch in Lebensmitteln

auf, die gar nicht so bitter für uns schmecken.

 

Was allerdings belegt ist: Bitterstoffe wirken antioxidativ, entzündungshemmend, antimikrobiell und fördern die Produktion von Verdauungssäften.

Das beginnt schon im Mund -  schmeckst du bitter, produzieren deine Speicheldrüsen sofort mehr Speichel. Das liegt an den vielen Rezeptoren

auf unserer Zunge, die die unterschiedlichen Geschmäcker auseinanderhalten können. Doch auch in der Lunge und in unserem Darm sitzen

diese Bitter-Rezeptoren. 

 

Bitterstoffe nicht für jeden geeignet. Bei Magengeschwüren, unklaren Magen- und Darmbeschwerden, bei Gallensteinen oder Problemen

des Zwölffingerdarmes wird von Bitterstoffen abgeraten. Auch verträgt sie nicht jeder, denn wir sind sie nicht so gewohnt. Manche reagieren auf

Bitterstoffe mit Unwohlsein oder sie besitzen bei ihnen eine abführende Wirkung. Auch bei Tropfen mit Wermut oder Artemisia (Beifuß) ist Vorsicht

geboten, denn  beide enthalten Thujone. Bei Schwangerschaft oder Stillzeit sollte man auf diese Art Bittertropfen verzichten!

 

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Aber warum denn nun Bitterstoffe: Pflanzen haben Gründe, bitter zu sein. Sie produzieren sie, um nicht gefressen zu werden, denn auch die meisten

Tiere mögen sie nicht.  Denn bitter in der Natur bedeutet: Ich schmecke nicht, ich bin ungenießbar oder giftig!

Ich mache zum Frühling hin trotzdem gerne mal eine 3-4 wöchige Kur mit Bittertropfen. Im Winter lebe ich meist zu süß - Schande auf mein Haupt.

Zum Frühling hin mögen wir es wieder grüner und leichter und dabei hilft bitter. Bitterstoffe regen nicht nur den Speichelfluss an, sondern sorgen

auch für mehr Magensaftproduktion. Zum Frühling hin sind wir eher müde und träge, wir müssen uns an Wärme, Sonnenschein und viel mehr Licht

wieder erst gewöhnen. Es gibt ja Menschen, die sehen 3 Sonnenstrahlen und sind sofort im Frühlingsmodus. Ich brauche meine Zeit. Ist es die ersten

Tage warm, schleiche ich erstmal müde, antriebslos und unkonzentriert durch die Umwelt :)

Mit der Einnahme von Bitterstoffen wird mehr Gallenflüssigkeit produziert, die Leber wird unterstützt, die Verdauung erleichtert und der Darm  auf

Trab gebracht. Kommt der Darm in Fahrt, hilft uns das auch. Unsere Laune steigt mit dem Sonnenlicht und dem schöneren Wetter. Wir fühlen uns

wieder leichter und frischer.

 

Also dachte ich, ich mach mal Bittertropfen selbst, die zwar bitter sind, aber trotzdem frisch und fruchtig schmecken. Herausgekommen ist dieses

Rezept. 

 

Zutaten für 100 ml Bittertropfen:

 

1 Schale einer Bio-Orange
1 TL Kakaoschalen 
2-3 Stückchen frischer Ingwer 
1/2 TL Galgant 
1 TL Schafgarbe
1/2 TL Kamille
1 Zimtstange möglichst Ceylon-Zimt

 

120 g Alkohol, wie Vodka ca. 40 %ig

 

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Alle Pflanzenteile zermörsern oder kleinrebeln. Die Orangenschale wird nur grob geschält und klein geschnitten. Dabei kann gerne noch das "Weiße"

dran bleiben, denn dieses enthält auch Bitterstoffe. Den Ingwer schälen und ebenfalls zerkleinern. Alles in ein Schraubglas füllen und mit Vodka 

auffüllen. Fest verschließen und ca. 3 Wochen ziehen lassen, dabei jeden Tag einmal schütteln, damit alle Pflanzenteile untergetaucht werden.

 

Danach durch ein feines Sieb abseihen und in eine Flasche mit Pipette füllen. 15 -30 min vor einer Mahlzeit 10-15 Tropfen in einem Schluck Wasser

einnehmen. So werden die Verdauungssäfte schon vor dem Essen angeregt und produziert. Falls du Bitterstoffe nicht gewohnt bist: Teste es

vor deiner Hauptmahlzeit mit geringer Tropfenzahl und wenn du es gut verträgst, probiertst du es bei Mahlzeit zwei, usw. Taste dich einfach langsam

heran. Behalte die Tropfen etwas im Mund, denn dort startet die Verdauung. Es kann zu einer Eingewöhnungsphase führen, d. h. evtl. kann es zu

Übelkeit oder Magenkrämpfen führen. Deshalb gewöhne dich langsam an Bitterstoffe. Hast du Vorerkrankungen des Verdauungstraktes, nimmst du

Medikamente ein, z. B. einen Blutverdünner? Dann besprich dich bitte mit deinem Arzt oder Heilpraktiker.

 

Bio-Orangenschale:

Orangenschalen enthalten neben den Bitterstoffen auch Pektine, helfen bei der Regulierung der Magensäure und fördern die Darmtätigkeit.

 

Kakaoschalen:

Dieses tolle Abfallprodukt der Kakaoverarbeitung enthält neben Bitterstoffen auch anregendes Theobromin, wirkt entspannend auf Magen und

Darm. Auch ein Solo-Tee aus Kakaoschalen ist superlecker und schokoladig. Mehr zum Thema Kakaoschalen kannst du hier lesen: 

Sechs leckere und hilfreiche Teemischungen, Teil 1

 

Ingwer:

Ingwer hat zu den Bitterstoffen auch Scharfstoffe. Die Gingerole oder Shogaole regen die Verdauungssäfte stark an, beschleunigen die Entleerung

des Magens, helfen gegen Unwohlsein und sind entkrampfend. 


Galgant:

Der Galgant wirkt stärkend auf alle Verdauungsorgane, hilft bei Sodbrennen und ist auch sonst wohltuend für deinen Körper - ein ziemlicher

allrounder...., falls du mehr über dieses tolle Gewächs wissen willst, lies oder probiere doch mal den Galgant-Wein à la Hildegard von Bingen

 

Schafgarbe:

Die Garbe regt die Verdauung und den Appetit an und besitzt ordentlich Bitter- und Gerbstoffe. Auch ein Schafgarbentee nach dem Essen wirkt

wunderbar bei Völlegefühl, Blähungen oder Durchfall.


Kamille:

Die wunderbare Kamille entspannt den Verdauungstrakt, wirkt entzündungshemmend, reizlindernd und schützend auf die Schleimhäute von Magen

und Darm, hilft bei Bauchkrämpfen  und  Sodbrennen.

 

Zimtstange:

Zimt ist wärmend, entzündungshemmend, krampflösend, regt den Appetit an und reguliert den Blutzuckerspiegel nach dem Essen. Nutze nach

Möglichkeit Ceylon-Zimt, denn dieser enthält weniger Anteil an lebeschädigendem Cumarin.

 

 

Solltest du Rezepte oder Pflanzen hier vom blog ausprobieren, lies bitte dazu den Disclaimer.

 

Probier doch mal:

 

 

Tinctura aromatica neu interpretiert

Ein Winter-Bitter-Cordial mit Hibiskus

 

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